JOHANNES KEPLER UNIVERSITÄT LINZ, NETZWERK FÜR FORSCHUNG, LEHRE UND PRAXIS

INSTITUT FÜR PHILOSOPHIE UND WISSENSCHAFTSTHEORIE

O. Univ.-Prof. Dr. Volker Gadenne | Tel. +43 (0) 732 2468 DW 7191  | FAX DW 7195

Lehre WS 2011/12

A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Änderungen vorbehalten!
Die aktuellen Termine und Räume entnehmen Sie bitte dem KUSSS!



LVA.Nr.: 237.331  [3DOK]

Wissenschaftstheorie

für DissertantInnen

Leitung: O.Univ.-Prof. Dr. Volker Gadenne
A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Intensivierungskurs, Block, Std. 2, ECTS 6
Beginn: 09.11.2011
Termine: Mi. 18.00 - 21.00 Uhr
Raum: HS 8

Studienpläne:
Doktoratsstudium SoWi neu (ab 01.08.2009);
Doktoratsstudium SoWi alt (=Grundlagen wissenschaftl. Arbeitens);
Doktoratsstudium der Geistes- und Kultur­wissenschaften

Beschreibung:
In dieser Veranstaltung werden Grundlagen der Forschung (Wissenschafts­theorie, Wissenschafts­forschung, Wissenschafts­ethik) dargestellt und anhand einzelner Dissertationen diskutiert.

Aus dem Themenkatalog: Was ist wissenschaftliches Wissen? Grundlagen der Prüfung von Theorien. Wissenschaftliche Redlichkeit vs. wissenschaftliches Fehlverhalten; Qualitative und quantitative Evaluation wissenschaftlicher Arbeiten (Peer Review; Impact Faktoren). Entwicklung und Funktionen des wissenschaftlichen Publikationssystems. Der soziale und öffentliche Charakter wissenschaftlicher Methoden. Kunst und Technik wissenschaftlichen Schreibens.

Für DoktorandInnen, jedoch auch für DiplomandInnen und StudentInnen im 2. Studienabschnitt zugelassen

Literatur:

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LVA.Nr.: 237.332  [3DPHILS]

Doktoratsseminar Philosophie

für DissertantInnen

Leitung: A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Seminar, Block, Std. 2, ECTS 6
Beginn: 14.10.2011
Termine: Fr. 17.15 - 18.45 Uhr
Raum: HT 177F

Studienpläne:
Doktoratsstudium SoWi neu (ab 01.08.2009);
Doktoratsstudium der Geistes- und Kultur­wissenschaften

Beschreibung:
Details folgen

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LVA.Nr.: 237.333  [3DPHILKS]

Dissertationskolloquium Philosophie

Leitung: O.Univ.-Prof. Dr. Volker Gadenne
A.Univ.-Prof. i.R. Dr. Rainer Born
A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Seminar, Block, Std. 2, ECTS 6
Zeit und Raum: nach Übereinkunft

Studienpläne:
Doktoratsstudium SoWi alt;
Doktoratsstudium SoWi neu (ab 01.08.2009);
Doktoratsstudium der Geistes- und Kultur­wissenschaften

Im Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ist die Wahl eines Grenzgebietes zu Philosophie/ Wissenschaftstheorie/ Wissenschaftsphilosophie als Dissertationsfach möglich und damit die Betreuung der Dissertation am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie.

Nähere Details auf Anfrage bei den Professoren.

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LVA.Nr.: 237.109  [2EWPDP]

Diplomandenseminar Philosophie und Wissenschafts­theorie

Leitung: A.Univ.-Prof. i.R. Dr. Rainer Born
A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Seminar, Block, Std. 2, ECTS 4
Zeit und Raum: nach Übereinkunft

Es ist in zahlreichen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen möglich, eine Diplomarbeit am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie zu verfassen. Auch im Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ist die Wahl eines Grenzgebietes zu Philosophie/ Wissenschaftstheorie/ Wissenschaftsphilosophie als Dissertationsfach möglich und damit die Betreuung der Dissertation am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie.

Nähere Details auf Anfrage bei den Professoren.

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LVA.Nr.: 237.100  [2EKMPSE]

Zentrale Themen der Kultur- und Medien­theorie/-philosophie

Norbert Elias: Zivilisations- und Figurationstheorie

Leitung: A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Seminar, Std. 2, ECTS 4.5
Vorbespr: Fr. 14.10.2011, 13.45 - 15.15 Uhr, K 009D
Blocktermine n.V.

Studienpläne:
Soziologie Diplom alt (Halbfach im 2. Studienabschnitt);
Soziologie Bachelor (Wahlfach Kultur- und Medientheorie);
Soziologie Master (Wahlfach Kultur- und Medientheorie);
Kulturwissenschaften Bachelor (Kulturwissenschaftliches Spezialisierungsfach oder Ergänzungsfach)

Auch für DissertantInnen geeignet

Beschreibung:
"Späte Barbaren" - so werden uns Norbert Elias zufolge nachkommende Generationen in ferner Zukunft nennen - sofern die Menschheit "die Gewalt unseres Zeitalters übersteht".

Norbert Elias, gelernter Philosoph, gibt wertvolle Impulse zu einer Kritik zeitgenössischer Sozialwissenschaften und Philosophie bzw. herkömmlicher Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie sowie zur Ausarbeitung realitätskongruenter Alternativen. Abgesehen von Pierre Bourdieu (er bezeichnet Elias als sein einziges Vorbild unter den zeitgenössischen Sozialwissenschaftlern) hat kaum ein Theoretiker die wechselseitige Verflochtenheit der Menschen, d.h. die Geschichtlichkeit und Gesellschaftlichkeit der Menschen und ihrer Wissensbestände (etwa ihrer Zeit- und Naturkonzeptionen), aber auch die körperliche Existenzweise der Menschen so ernst genommen wie Norbert Elias. Kaum ein Autor hat so konsequent wie Elias die Kritik verdinglichender Sprech- und Denkgewohnheiten betrieben, insbesondere des elementaren Verfahrens der Philosophie (und mancher kultur- bzw. sozialwissenschaftlicher Schulen) der "Reduktion beobachtbarer Prozesse in der Abfolge der Zeit auf etwas Zeitloses, Unbewegliches" - und hat ebenso konsequent Alternativen dazu entwickelt.

In der Zivilisationstheorie fokussiert Elias die Balancen zwischen Fremd- und Selbstzwängen, die "Verwandlung zwischenmenschlicher Fremdzwänge in einzelmenschliche Selbstzwänge", v.a im Kontext der Monopolisierung der Gewaltkontrollen, der Integrationsprozesse zu größeren Überlebenseinheiten. In der "klassischen" Version, beim "frühen" Elias in "Der Prozeß der Zivilisation" wurden diese Entwicklungsprozesse noch in der Einzahl gefasst. Im Laufe der (erst Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung in Gang gekommenen) Diskussion und Kritik, u.a. aufgrund des Vorwurfs des Eurozentrismus, hat sich Elias später auf (böswillige Kritiker könnten unterstellen: vor Kritik immunisierende) vorsichtigere Formulierungen zurückgezogen. Demnach sind stets Zivilisationsprozesse (im Plural) zu registrieren, welche die Richtung wechseln können (Zivilisierungs-, Dezivilisierungs- bzw. "Barbarisierungs-"schübe). Elias hat also später seine ursprünglich zumindest als unilinear missverstehbare Theorie flexibilisiert und überdies sein Modell durch das Konzept der "Informalisierung" (Cas Wouters) ergänzt.

In der Figurationstheorie untersuchte Elias (in Kritik des klassischen philosophischen Homo-Clausus-Modells im Singular) die wechselseitige Angewiesenheiten, Abhängigkeiten, Interdependenzen der "Menschen im Plural" und Wandlungen der Wir-Ich-Balance in Langzeitzeitbetrachtung. Die wechselseitige Verflechtung von Plänen vieler ergibt Ungeplantes (z. B.: Zivilisierungsprozesse), die beobachtbaren geschichtlichen Ereignisse sind ein Produkt beabsichtigter und unbeabsichtigter Handlungen bzw. Prozesse, welche in ihrer kumulativen Interaktion im Gesamt ungeplante Resultate zeitigen. Die beiden Studien "Die höfische Gesellschaft" und "Etablierte und Aussenseiter" können wohl als Klassiker der Figurationsanalyse gelten.

 

Literatur

Zum Gesamtwerk:
Mörth, Ingo/Fröhlich, Gerhard (Höbart, Werner/Pellosch, Michael Mitarb., 2002ff.): HyperEliasWorldCatalogueHTM. Eine umfassende, kontextorientierte und referentielle Bibliographie und Mediendokumentation seiner Werke und Äußerungen und Dokumentation der Sekundärliteratur / A comprehensive, contextual and referential bibliography and mediagraphy of his works and public statements. & Documentation of Secondary Literature OPEN ACCESS: http://HyperElias.jku.at (etliche Originaltexte im Volltext)

Pflichtlektüre:
Fröhlich, Gerhard (1991): "Inseln zuverlässigen Wissens im Ozean menschlichen Nichtwissens." Zur Theorie der Wissenschaften bei Norbert Elias, in: Helmut Kuzmics, Ingo Mörth (Hg.), Der unendliche Prozeß der Zivilisation, S. 95-111. Ffm./NY.: Campus Verlag, ISBN 3-593-34481-5 OPEN ACCESS: http://sammelpunkt.philo.at:8080/1597/

Fröhlich, Gerhard (2009): Norbert Elias, in: Fröhlich, Gerhard/Rehbein, Boike (Hg.): Bourdieu-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler-Verlag, Reihe Philosophie, ISBN 978-3-476-02235-6, 36-43; Handbuch an UB und Institutsbibliothek mehrfach vorhanden, siehe auch KUSSS zur LV

Die Werke von Norbert Elias sind entweder als Einzelbände oder als Teil der Gesammelten Werke in der Institutsbibliothek Philosophie und Wissenschaftstheorie (Achtung, Übersiedlung am 24./25.10.2011 in die Altenberger Straße 50, EG http://www.iwp.jku.at/facts/location.html) vorhanden (Semsterapparat) und werden vorrangig an die ReferentInnen entlehnt.

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LVA.Nr.: 237.118  [2SWFSE]

Zentrale Themen der Wissenschafts­forschung

Rechtliche Behinderungen von Forschung und wissenschaftlicher Kommunikation im digitalen Zeitalter

Leitung: A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich

Seminar, Std. 2, ECTS 4.5
Vorbespr: Fr. 14.10.2011, 15.30 - 17.00 Uhr, K 009D
Blocktermine n.V. (z.B. Do. abend oder Fr. nachm. oder Sa. ganztägig) legen wir bei der Vorbesprechung fest

Studienpläne:
Soziologie Diplom alt (Halbfach im 2. Studienabschnitt);
Soziologie Bachelor (Wahlfach Wissenschafts­forschung);
Soziologie Master (Wahlfach Wissenschafts­forschung);
Kulturwissenschaften Bachelor (Kulturwissenschaftliches Spezialisierungsfach oder Ergänzungsfach)

Auch für DissertantInnen geeignet

Beschreibung:
"Digitalisierte Wissenschaftskommunikation hätte viele Vorteile: Links zu zitierten Publikationen, die sofort überprüft werden können/Links zu Auswertungen bzw. Originaldaten/Links zu Korrekturen und Retractions (die in Papierversion großteils unbeachtet bleiben)/Anwendbarkeit von Suchmaschinen und Prüfprogrammen (Bildfälschungen, Plagiate)/Links von medialen Wissenschaftsreportagen zu den Originalstudien. Digitale Medienkompetenz vorausgesetzt, steigt die intersubjektive Überprüfbarkeit.

Doch unter restriktiven rechtlichen Bedingungen und Verwertungsmodellen verschlechtert die Umstellung von Papier auf Online die Informationssituation. Die digitalen Kontrollmöglichkeiten sind enorm. Britische Untersuchungen dokumentieren die Behinderungen von Lehrenden und Forschenden aufgrund des Copyrights: So darf eine Musiksoziologin ausgewählte Musikbeispiele nicht auf eine CD brennen, sondern muss während der Vorlesung alle Original-CDs einlegen und die richtigen Stellen finden. Die digitale Analyse von Musik ist nicht erlaubt. Kommerzielle Closed-Access-Dienste (Journale, Archive) gestatten ihre Nutzung nur unter massiven Restriktionen. Im Gegensatz zu früheren Papierversionen dürfen britische Bibliotheken Artikel aus den Online-Journalen nicht mehr NutzerInnen anderer Bibliotheken zugänglich machen. Das Archiv JSTOR verbietet, alle Artikel eines Themenheftes herunterzuladen. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat erfolgreich Bibliotheken verklagt, die CampusnutzerInnen und Fernleihverkehr digital mit Informationen versorgen wollten. In der juristischen Grauzone anzusiedeln sind Aktivitäten von PlagiatsjägerInnen (wenn sie plagiierende und plagiierte Werke ins Netz stellen), sondern vielfach auch kollegialer wissenschaftlicher Informationsaustausch (wenn AutorInnen über Listen ihre eigenen Aufsätze versenden, deren Rechte sie abgetreten haben).

Der wichtigste Vorteil von Open Access-Dokumenten ist die Freiheit ihrer Verwendung. OA-Dokumente sind rechtlich gegen Plagiat geschützt, sowie (wenn gewünscht) gegen kommerzielle Verwertung. OA-Dokumente dürfen aber weitergereicht, über Listen vervielfältigt, auf der eigenen Webseite gepostet werden etc." (1)

Mein Fazit: Konventionelle Digitalisierung behindert wissenschaftliche Kommunikation. Für digital gestützte wissenschaftliche Kommunikation sind daher Open Access bzw. zumindest grosszügige Ausnahmeregelungen von den restriktiven rechtlichen Bedingungen bzw. den üblichen Knebelverträgen für AutorInnen für Bildung und Wissenschaft unverzichtbar.

Akribische wirtschaftshistorische und wirtschaftsjuristische Studien zeigen aber, dass auch bereits in der Buchdruck-Ära restriktive Verwertungsrechte den Buchmarkt und die Wissenschaften in ihrer Entwicklung massiv behindert haben (Höffner 2009).

Wir möchten in diesem Seminar untersuchen, wie es zu Privilegien, Patenten, Ausschliesslichkeitsrechten kam, und mit welchen rechtlichen Hürden AutorInnen und ForscherInnen heutzutage rechnen (z.B. Kriminalisierung von Kritik im britischen Libel Law), welche Freiräume bieten die Urheberrechte im deutschen Sprachraum (wenn man sich weigert, Knebelverträge mit Verlagen zu unterzeichnen), welche Alternativen gibt es, und welche Initiativen setzen sich für ein bildungs- und wissenschaftsfreundlicheres Urheberrecht und für die Freiheit wissenschaftlicher Kritik ein?

(1) Abstracts meines Vortrags auf dem internationalen Kongress "Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. Dritter gemeinsamer Kongress für Soziologie der DGS, ÖGS und SGS". Dreiländerkongress, Innsbruck, 29.09. bis 01.10.2011, SV Panel 14/III: Open Access in den Sozialwissenschaften - versäumte Gelegenheiten und Chancen, siehe
https://www.conftool.com/soziologie2011/index.php?page=browseSessions&print=head&form_session=53

 

Literatur/Links:
European Network for Copyright in support of Education and Science http://www.ences.eu/

Höffner, E. (2009): Geschichte und Wesen des Urheberrechts. München:Verlag Europäische Wirtschaft, 2 Bde.

Voigt, M. (2011): ENCES - Eine europäische Initiative zur Vertretung urheberrechtlicher Interessen von Wissenschaft und Bildung LIBREAS. Library Ideas # 18: Wissenschaftskommunikation und Wissensorganisation S. 62-65 Volltext: pdf (urn:nbn:de:kobv:11-100183902) http://edoc.hu-berlin.de/libreas/18/voigt-michaela-56/PDF/voigt.pdf

Weitere Literatur bei der Vorbesprechung, eigene Themen- und Literaturvorschläge der ReferentInnen sind willkommen.

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