Samstag, 25. Oktober
Galerie 422

Galerie 422

LITERATURVERMERKE

15.00 Uhr Prolog

VON ENZYKLOPÄDISCHER
AHNUNGSLOSIGKEIT

Wendelin Schmidt Dengler ,
Dr., Univ.Prof., Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek

15.15 Uhr Thomas Raab

VERHALTEN

Lesung

Thomas Raab beobachtet in seinem von der Kritik mit viel Aufmerksamkeit bedachten Debütroman »Verhalten« auf ironische Weise das psychologische Beobachten. In einer Symbiose aus Literatur und Wissenschaft hat Raab ein reales Ereignis als Ausgangspunkt seines Experiments gewählt. Die Ehefrau eines bekannten Wiener Psychiaters springt, nachdem sie ihre beiden Kinder aus dem 4. Stock geworfen hat, selbst hinterher.


15.40 Uhr Daniel Kehlmann

ICH UND KAMINSKI

Lesung

Daniel Kehlmann führt die erste der ORF-Bestenlisten an. Das mittlerweile fünfte Buch von Daniel Kehlmann »ICH UND KAMINSKI» ist ein Spiel mit doppelten Böden, witzig und unterhaltsam, eine Parodie auf den Kunstbetrieb und den Kunstjournalismus ebenso wie ein Duell zweier höchst ungleicher Temperamente und Generationen.

16.15 Uhr Olga Flor

ERLKÖNIG

Lesung

Der Reiz des Rationalen, das flugs ins Irrationale entgleiten kann, zeichnet die unterkühlte Prosa von Olga Flor aus.. Wie in schnell aufeinanderfolgenden Filmszenen stöbert die Autorin Elisabeth, Titus und die anderen im Bad, Garten oder Park auf, nimmt sie mit einer Distanz ins Visier, die Komik ermöglicht. »Elfriede Jelineks frühes Buch Die Ausgesperrten grüßt von ferne«, schrieb der Berliner Tagesspiegel.

16.40 Uhr Ernst Wilhelm Händler

FALL

Lesung

Der neue Roman des Schriftstellers Ernst Wilhelm Händler, genannt »Fall«, lehnt sich stilistisch und inhaltlich eng an große Erzählwerke unserer Zeit an. Selbstbewußt tritt er in die Stapfen der Großen – und geht mit ihnen seinen eigenen Weg. Bis in die Figurenkonstellation, die Raumsemantik, die Erzählsituation hinein orientiert er sich vor allem an zwei Romanen: An Thomas Bernhards »Auslöschung« und an Gert Hofmanns »Auf dem Turm«. Beide Texte und ihre dargestellten Welten bilden das Ausgangs- und Spielmaterial von Händlers Roman.

17.05 Uhr Brigitta Falkner

Zwei Inszenierungen

15.00

Das fiktionale Vexierspiel Prinzip i beginnt mit der Geburt des Helden Willi. Linz, Grinzing, Illmitz und Rimini markieren die Stationen eines Lebens in einer monovokalischen Parallelwelt. »Nichts ist wirklich«, spricht Willi fiktiv. Das monovokalische Prinzip i, demzufolge nur der Vokal i verwendet werden darf, verbietet u.a. den Gebrauch der Artikel, des Infinitivs und der Relativsätze. Die Verbote betreffen in der Folge nicht nur die Grammatik: ...schlimm wird schicklich, nichtig wird wichtig, himmlisch wird irdisch, Sissi wird schwindlig... Hier wird die Anwendung des Verfahrens zu seiner Inszenierung.

6.00

Das ikonographische Szenario des Film Noir liefert die Vorlage für den Genre-Comic Schmutzige Tricks. Im Off-Kommentar findet das Licht- und Schattenspiel des Film Noir als zwielichtige Kunstsprache, changierend zwischen Klartext und Chiffretext, seine lautliche Entsprechung: Etfusch ffiff tulk tii Luft umt tluf mik um Kimtelkuff.

17.30 Uhr Irene Prugger

SUCHT

Lesung

»Der Text, den ich lesen werde, heißt &Mac221;Sucht&Mac220;. Diese Erzählung ist veröffentlicht in meinem neuen Erzählband »Nackte Helden und andere Geschichten von Frauen«. Es geht darin um die zum Teil erpresserischen Vorgaben der Leistungsgesellschaft im Berufsleben, die mehr oder weniger das Scheitern bereits einberechnen. Aber das tut nichts zur Sache, weil die Arbeitskräfte ohnedies austauschbar sind.«

18.00 Uhr Christine Zemann

Schlusswort

20.00 Uhr
Stadttheater Gmunden

SELTEN GEHÖRTE MUSIK

eine musikalische Performance mit
Oswald Wiener (A),
Walter Fähndrich (CH),
Rolf Winnewisser (CH)
und Freunden

Erstes Konzert in Österreich
Einführung:
Wendelin Schmidt-Dengler

Der Autor, Erkenntnistheoretiker und Aktivist Oswald Wiener hat unter dem Label &Mac221;selten gehörte musik&Mac220; Freundinnen und Freunde zu einer akustischen Performance zusammengetrommelt: zum ersten Konzert in Österreich dieser 1974 begründeten Reihe. Das ultimativ Performative von einem der Erfinder der Performance.

Neben Oswald Wiener bestreiten diesen Abend der bildende Künstler Wolf Winnewisser und der Bratschist Walter Fähndrich, der nach seiner musikalischen Eröffnung der Kultur Vermerke im Vorjahr Oswald Wiener zu dieser Österreich-Premiere bewogen hat.

»Wir haben uns zusammengefunden, eine Art Ästhetik des Scheiterns auszuprobieren, das heißt eine Ästhetik des Nichtkönnens, des Möchtens, des Wollens. Und dies ist eine sehr schmerzhafte Ästhetik, es ist eine Ästhetik der Peinlichkeiten, der Blamage, des Verzichts. Da es aber eigentlich darum geht, zu ergreifen, emotional auf einen Hörer einzuwirken, gibt es natürlich dieses Blamiertsein und die Peinlichkeit als eine Art Ergriffenheit und als ein Spiel damit«
(Oswald Wiener, aus einem Vortrag über &Mac221;selten gehörte musik&Mac220;, Köln 1998)

Oswald Wiener

Über die Idee des selten Gehörten

»...es ist sehr schwierig, etwas zu machen, wenn der verstand sehr beweglich ist. es braucht dann keiner bewegung der gegenstände. sieh dass die ereignisse deine einsicht nicht festlegen, dass die eine interpretation nicht erzwungen werden kann; dass der verstand grösser als sein gegenstand ist (etwa insofern irrtum möglich ist) und sieh dass nur der gelähmte verstand der wirklichkeit bedarf und der verschiebungen in ihr. er sieht die mechanismen nicht, die vom gegenstand zu ihm führen und kann sie nicht ändern; jede veränderung des gegenstandes führt über starre hebel zu einer veränderung seiner auffassung, und jede veränderung einer vorstellung projiziert er auf den gegenstand. neue formen gehören zu einer strategie, mitzuteilen dass man die alten formen anders verstanden hat. aber mir geht es nicht um kommunikation, sondern um die aufweichung meiner vorstellungen.

SELTEN GEHÖRTE MUSIK ist auf dem weg zu grösserer beweglichkeit des verstandes, nicht der ereignisse, und beachtet musikalische formen nicht (musikalische formen: die als eigenschaften des verstandenen wirken aber unbedachte und aufzulösende mechanismen des verstehens sind)...
SELTEN GEHÖRTE MUSIK aus der unfähigkeit: noch nicht vergessen haben, wie man hören muss (und zu den regeln zurückstreben), aber schon unfähig, den kanon anzuwenden; noch nicht im stande, jederzeit das vom andern gemeinte aus dem was man von ihm wahrnimmt zu streichen, aber doch bereits das selbst getane in seiner beliebigen interpretierbarkeit sehen und die modulation der wenigen aspekte, die mir überhaupt auffallen, nicht zur manipulation deines verständnisses sondern gegen die enge meines eigenen meinens einsetzen...«

(Oswald Wiener über das Berliner Konzert SELTEN GEHÖRTE MUSIK 1974)

anschließend Stadttheater, Foyer im ersten Stock

Empfang des Landeshauptmannes

Dr. Josef Pühringer

Programm Di | Mi | Do | Fr | Sa |