| Günter Grass hat es »das Gespinst der Heuchelei« genannt, jene durch starke Worte, durch Selbstbehauptung und Selbstversicherung gestützte Metaphysik der Gewalt, die eine ganze Welt in einen Krieg einzuschwören versucht hat: Eine geistige Selbsterregung, deren Formulierung zugleich in tätiges Handeln umgesetzt wird. Durch Handeln sollte die Behauptung jedem Diskurs entzogen werden: kein langes Reden, keine Debatte, keine Ideen mehr! Platons Ideenwelt hat ausgedient. Ihre hegemoniale Rolle im Prozess der Globalisierung wollen sich Innovationseliten nicht durch Nachdenklichkeit, nicht durch Wertedebatten vermiesen lassen. Eine performative Politik versucht ihre Durchsetzung.
Durch bloße Sprechakte Wirklichkeiten herzustellen, Verhältnisse allein durch Worte zu schaffen und zu verändern ist ein inszenatorischer Akt, dessen sich die globalen und die provinzialen Player zunehmend bedienen und damit eine Transformation der Kommunikationsgesellschaft vollziehen. Der Künstler und Kunstkurator Peter Weibel ortet eine »Performative Wende«: Mit Worten Fakten zu schaffen, keine Rückkehr zu den Inhalten zuzulassen. Ist das Credo diese Performativen Wende ein weiteres Mal Nietzsches Selbstermächtigung » ...wer ein Schöpfer sein will, der muss ein Vernichter erst sein«?
Das Symposion der Oberösterreichischen Kultur Vermerke 2003 sucht nach den Motiven performativen Handelns. Ist es bloß die Unfähigkeit, Demokratie weiterzuentwickeln, oder die Verführung durch Macht? Fünf Tage diskutieren vom 21. bis zum 25. Oktober in Gmunden KünstlerInnen, WissenschafterInnen und PhilosophInnen über die gesellschaftspolitische Performance in einer Desinformationsgesellschaft.
Jutta Skokan, Werner Wolf
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