Geboren 1942, Ausbildung zur Volksschul- und Hauptschullehrerin, seit 1980Mitarbeiterin im Atelier Wels (freie Malschule), seit 1984 Assistentin in derMalschule für Kinder und Jugendliche, Leiterin von Zeichen- und Malkursenfür Erwachsene. Zusatzstudium Museumspädagogik an derPädagogischen Akademie der Diözese Linz. KünstlerischeTätigkeit auf dem Gebiet der Grafik, Malerei und Performance zum Thema"Körperspuren".
Geboren 1955, Hauptschullehrer in Wels mit Spezialbereich Schulbibliothek,Projekte im Bereich Tanztheater, Organisation von Kulturveranstaltungen,Verlagstätigkeit: Edition Pangloss.
Inhalt und Methoden zum Workshop
Der Workshop beschäftigt sich mit Texten der österreichischen unddeutschen Gegenwartsliteratur zum Thema "Heimat, Kultur und Identität". InKleingruppen sollen verschiedene Kurzszenen oder Szenenausschnitte erprobt undinszeniert werden. Ausgangspunkt ist szenische Improvisation, Rollen- undFigurenarbeit. Geplant ist ein Präsentation am Ende des Workshops. Derszenische Ablauf sollte sich an die räumlichen Situationen anpassen und anverschiedenen möglichen und unmöglichen Plätzen stattfinden.Also eine Art szenische Reise, eine szenische Wanderung durch verschiedeneTextlandschaften.
Zur Person:
Regisseur und künstlerischer Leiter des Theater Phönix in Linz, zahlreiche theaterpädagogische Arbeiten und Theaterprojekte mit Schülern in verschiedenen Schulen Oberösterreichs.
Geboren 1948, Goldschmiedelehre, Meisterprüfung, freischaffenderKünstler, diverse Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Preise,u.a. Galerie Espai Positura Barcelona, Triennale Europeenne du Bijou Paris, Diagonal-Design Ausstellung Expo Sevilla, 1. Preis Brunnenwettbewerb K.J.PlatzWels.
Metallhandwerker, Computertechniker, Musiker, bildender Künstler, zahlreiche Ausstellungen u.a.: Gallery amici miei/New York.
geboren 1951, diverse Ausstellungen u.a. Int. Sommerakademie Salzburg,Malprojekt "Gespräche - nonverbale Dialoge", Scuola dei Calegheri Venedig.
Landesmusikschule Gmunden
Haydn - Oboen-Trio
Prokofieff - Fünf Melodien für Violine und Klavier Berg - Dreifrühe Lieder
Schostakowitsch - Klavier-Quintett
Es musizieren Lehrkräfte der Landesmusikschule und Gäste.
Eintritt frei!
Videoinstallation "Virtureale Peep-Show"
Lesung "Geviert mit Paar"
Zur Person:
Dr., geboren 1960, Rechtsanwaltskanzlei in Wels; Märchen, Gedichte,Veröffentlichung in "Schmale Spuren", der Roman "VerZeit" stehtunmittelbar vor der Veröffentlichung.
Zur Person:
Er leitet die Gruppe ORFEO und tritt als Solist und als Begleitmusiker vonRoberto Morales auf. Seine musikalische Bandbreite reicht vonlateinamerikanischer Musik (Samba, Bossa Nova), über Jazz Standards,französische Chansons, Schlager der 30er Jahre bis zur PercussionPerformance.
Mag., geboren 1954, Studium an der Filmakademie Wien; Filme u.a.: "Drinnen undDraußen", "Shalom General", "Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen".
Geboren 1954, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie, 1981 - 1986 Lektor an der Universität São Paulo, zahlreiche Preise und Stipendien, zuletzt erschienen: "Schubumkehr", "Die Phänomenologie der Entgeisterung".
Unter der Leitung von Wil Salden ist eines der besten Orchester der Welt zuGast in Gmunden. Das Glenn Miller Orchestra ist das meistbeschäftigteOrchester der Welt. Weshalb das so ist, weiß man spätestens, wennman es live gehört und gesehen hat.
Plattenvertrag bei Verve-Polygram, Tourneeprogramm u.a. Itslys, Abstract Truth,Blue Brass Connection, Auftritte in Nord- und Südamerika, Asien und allenLändern Europas, TV- und Radioproduktionen.
In den letzten Jahrzehnten war Gmunden einigemale "Film-Stadt", entweder als willkommene zweckdienliche Kulisse, seltener jedoch als deutlich genannter Drehort (wie z. B. in der internationalen Produktion PERMISSION TO KILL, 1976). Nicht zuletzt diese Filme, die sich weitgehend des touristischen Blicks bedienen, reduzieren durch ihre Art der Inszenierung in signifikanter Weise eine Summe möglicher Stadtbilder auf einige wenige Ansichten einer Film-Bilder-Stadt mit ihren Wahr- Zeichen und Schau-Plätzen.
Auch die Fremdenverkehrswerbung bedient sich zunehmend dieser filmischen Codes, indem sie ebenfalls die Information über den Urlaubsort auf größtenteils visuell operierende Zeichensysteme reduziert bzw.inszeniert.
Was geschieht hierbei? Wird nicht der Betrachter zum Opfer des Bildes? Welche Informationen werden überhaupt transportiert? Sagt ein Bild tatsächlich mehr als 1000 Worte? Welche Möglichkeiten und Gefahren verbergen sich hinter einem so unscheinbar wirkenden Begriff wie "Film-Stadt"?
Warum nicht einmal den Versuch wagen, die Bilder der Fremdenverkehrswerbung ebenso als "Spielfilm" zu betrachten und mit Mitteln der Filmtheorie undFilmsemiologie zu untersuchen?
Geboren 1959, Schriftsteller, Veröffentlichungen inLiteraturzeitschriften, Anthologien etc., darüberhinaus Schriften imBereich Filmgeschichte, Filmtheorie und Semiologie,Talentförderungsprämie für Literatur des Landes Oberösterreich 1994.
Das Spektakel - in gewisser Weise ein dem Wort "Theater" eng verwandterAusdruck - ist zunächst ein wertfreier Begriff, zählt aber zu denUrbedürfnissen der menschlichen Natur. Zum Unterschied von Theater hatjedoch das "Spektakel" durch die Geringschätzung einer bestimmten Epoche des Bildungsbürgertums eine Abwertung erfahren, die nur in einem Klima der Offenheit und Unvoreingenommenheit wieder relativiert und ohne Krampf in dieursprüngliche Bedeutung des "Schauens auf Agieren" eingesetzt werden kann. Dieses Spektakel hat im Kulturbetrieb dann eine wichtige Funktion, wenn es animiert, Zugänge zu kulturellen Themen erschließt, oder mittels Provokation zur Reflexion anregt. Das bloße Hinknallen von Show-Elementen allein aber genügt nicht: Der vordergründige Anreiz kann nur die Initialzündung für Kulturanimation auslösen, nicht aber das komplexe Unterfangen "Animation" ersetzen. Diese Arbeit ist ebenso umfangreich und schwierig wie im Sinne des persönlichen Marketings undankbar, da nichtspektakulär. Bei der Beurteilung von Spektakeln (Shows) als Animationsprojekte wird daher zu hinterfragen sein, ob sie eine Perspektive bezüglich der Knochenarbeit einer weiterführenden Information anbieten. Angesichts eines offensichtlichen Veranstaltungsüberangebots wird die Frage nach der "Philosophie", nach dem Konzept und geistigen Hintergrund eines "Events" in Zukunft mehr Bedeutung erlangen als bisher. Auch wird das freiwillige Engagement, die "Ehrenamtlichkeit" sozusagen, weiterhin im Vordergrund stehen müssen; nicht nur deswegen, weil jede Subventionitis ihre Grenzen hat, sondern aus Gründen der Motivation. Denn für die meisten Veranstalter ist zweifellos ein gewisser Idealismus, das Bedürfnis, eigene positive Erfahrungen mit Kunst auch anderen zu vermitteln, das Hauptmotiv. Und je glaubwürdiger dies spürbar wird, desto eher wird der berühmte Funke überspringen.
Zur Person:
Dr., geboren 1946, seit Anfang 1973 in der Kulturabteilung der oberösterreichischen Landesregierung, Schwerpunkte: Musik- und Literaturförderung, Kultur-Animation, Niederösterreichischer Landeskulturpreis 1989, Herausgeber und Mitarbeiter von mehreren Publikationen, zahlreiche kulturpublizistische Beiträge.
Geboren 1950, seit 25 Jahren sowohl in Deutschland als auch in ÖsterreichSchauspieler, derzeit am Landestheater Linz, schreibt seit 20 Jahren - versuchtseit 1995 zu veröffentlichen.
Zur Person:
Doz.Dr., Kultursoziologe und wissenschaftlicher Leiter des Universitätslehrgangs für Kulturmanagement, wissenschaftlicher Leiter der Studie "Kulturheimat Oberösterreich? - Kulturelle Identität imEuropa der Regionen".
Zur Person:
Karl Pramendorfer ist Landes-Tourismusdirektor von Oberösterreich.
Zur Person:
Geboren 1969, erste journalistische Erfahrungen bei der Oberösterreichischen Rundschau, seit drei Jahren in derWirtschaftsredaktion der Oberösterreichischen Nachrichten, betreut dort die Themen Handel und Tourismus.
Zur Person:
Geboren 1959, Kulturmanager im Kulturverein Kino Ebensee, 1994 Obmann der Kulturplattform Oberösterreich, seit September 1995 Kulturbeauftragter derSPOÖ.
von 1980 - 1988 Mitglied der Künstlergruppe "Survival ResearchLaboratories" aus San Francisco, seit 5 Jahren Präsentation seines "Mechanical Sound Orchestra" an vielfältigen Orten wie z.B. inehemaligen Druckereien oder in New Yorker Kunstgalerien.
Der Psychoanalytiker Georg Christof Tholen zu den Maschinen von Contained:"Maschinen als Machinationen ernstzunehmen heißt, anzuerkennen, daßWünsche weder Rivalen der Maschinen noch deren Anhängsel sind. Wennes sich nämlich für die kritische Funktion der Kunst als nutzloserwiesen hat, den Menschen als Herr der Technik, oder umgekehrt, als ihrenSklaven zu situieren, dann gilt es vielmehr, den Verzweigungen vonWünschen und Maschinerien nachzugehen."
Rumänien, Walachei: leuchtende Maisfelder und die stählernenUngetüme sozialistischer Schwerindustrie; Bukarest auf dem zögerndenSprung nach Europa; Clejani - kaum zwei Steinwürfe entfernt - noch im Taktder Vergangenheit. Taraf de Haidouks hat alle rumänischenWidersprüche auf einen Nenner gebracht - schon lange bevor die Truppe aufden internationalen Bühnen ihren Durchbruch feierte. Allein im Alterdieses verwegenen Dutzend - die Spanne reicht von 18 bis 74 Lebensjahre -spiegelt sich die seltsame Eintracht aus Tradition und Erneuerung, die aus derMusik ein Erlebnis macht. Die Alten schwelgen in herzzerreißendenBalladen, die schon ihre Großväter sangen, und in denen noch dasErbe Mittelasiens mitschwingt. Die Jungen würzen das Material mitatemberaubender Virtuosität, mit dem scharfen musikalischen Pfeffer derBalkanhalbinsel. Hunderte von Liedern haben bei ihnen die Ära desKofferradios, die Jahre der Tyrannei, die Zeit des Aufbruchs überlebt."Nur die schlechten Lautari", sagt der alte Mann über die Dorfmusikanten,"spielen ohne Pause bis zum Morgengrauen." Die guten - wie Taraf de Haidouks -beherrschen genug Lieder, um zwischendurch auf jeden Wunsch einzugehen - undsei er noch so ausgefallen. Notfalls wird gar eine Lambada oder ein Gassenhaueraus den Hitparaden ins unverkennbare Gewand der Tziganesces - der Gypsies, derZigeuner - gesteckt. Keine Hochzeit ohne ihre aufgekratzten Tänze, ihremelancholischen Balladen, ihre wirbelnden Rhythmen die zwischen Violinsaite,dem Klöppelschlag des Cymbalums und den Knöpfen und Tasten desAkkordeons entstehen. Keine Hochzeit, keine Geburt, keine Beerdigung und keineTaufe, keine Party. Die Bruderschaften der Lautari sind immer dabei, ummitzureißen - nicht nur im Dorf. (Joachim Deicke)
Seit dem Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklungl987 und dem Umweltgipfel von Rio 1992 hat das Wort von der>>Nachhaltigkeit'r (Sustainability) in politische, wirtschaftliche undwissenschaftliche Diskussionen Einzug gehalten. Dahinter steht der Wunsch, eineWelt zu realisieren, in der Menschen weder selber körperlich bedrohtwerden noch andere bedrohen, in der Lebenschancen und Lebensqualität nichtdas Vorrecht privilegierter Regionen, sondern selbstverständliches Anrechtaller sind.
Im ökologischen Bereich haben sich nationale Politiken und Grenzziehungenad absurdum geführt, in der Kommunikationstechnologie unsererinternet-ionalen Gesellschaft sind die Grenzen längst gefallen. Im Wohn-oder Arbeitszimmer sind wir bei den Weltereignissen live dabei, dankPreisdumping der FluggeselIschaften steht (fast) allen die ganze Welt offen.Nur wenn es uns selbst nicht betrifft, tauchen Gedanken an Kerosin, Ozonlochund Umweltverträglichkeit unserer Grenzüberschreitungen auf. DieFrage nach der Kulturverträglichkeit unserer Mobilität, nach derNachhaltigkeit dieser Begegnungen stellt sich noch viel seltener. Wo kämeman denn hin, wollte man den Kulturaustausch problematisieren.... Aber giltnicht auch hier das sonst auf den Tourismus bezogene Vier- Kulturen-Modell(Thiem) mit seinen Interaktionsebenen? Zwischen der Kultur der Quellregion (ausder die Tourneekünstler kommen), der Ferienkultur (ihrem Lebensstil, densie im Ausland praktizieren), der Dienstleistungskultur (dem Lebensstil derEinheimischen als Gastgeber oder Veranstalter) und der Kultur der Zielregion(der ursprünglichen, gewachsenen Kultur an den Auftrittsorten).
Wissen wir jetzt mehr voneinander? Haben Reisen, Ausstellungen, Tourneen undGastspiele unsere eigene Lebensweise verändert? Haben wir durch unsereReisen in Länder z.B. der Dritten Welt etwas anderes hinterlassenaußer den Nachteilen: Umweltschäden, Erosion kulturellerTraditionen, disparater Infrastrukturentwicklung? Sehen wir als Künstler,Kunstvermittler und Kulturpolitiker in den Auftrittsorten außerhalbÖsterreichs eine Chance zur Begegnung, zum Erfahrungsaustausch, zum Lernenvoneinander - oder bloß eine Bühne, einen Absatzmarkt für daseigene Kulturprodukt?
Führt der internationale Kulturaustausch tatsächlich zu einem Dialogder Kulturen - oder bleibe es bei einem Nebeneinander, einem Gegenüberohne Kommunikation? Nehmen wir uns Zeit dafür, nutzen wir die Chance, dieeigenen kulturellen Identitäten durch Kontakte zu anderen (Kulturen)bewußt zu machen, aber auch zu hinterfragen? Lassen wir uns auf dieKommunikation ein mit den Menschen, den Ausstellungs-, Konzert- oderTheaterbesuchern in anderen Ländern, aus anderen Regionen, anderenSystemen - oder beschränkt sich die Kooperation auf Verhandlungen mitlokalen Organisatoren, auf die Ausarbeitung von Tourneeplänen,Durchführung von Pressekonferenzen und Aushandlung der Gagen? Ist dieAnnäherung an das Gastland bei den Kurz-Auftritten mehr als nur symbolisch- vom Genuß landestypischer Speisen über den schnell noch nebenherorganisierten Konsum von Sehenswürdigkeiten und den Erwerb vonMitbringseln (Goethe-Trophäen aus Weimar, Stollen aus Dresden oderBären aus Berlin)?
Wie also müßte eine neue Kulturpolitik aussehen, dietatsächlich nachhaltige Veränderungen in unserer Lebensweise undEinstellung bewirkt?
Ass.Prov.Dr., geboren 1944, Studium der Klassischen Philologie und derPolitikwissenschaft, Konsulin der Republik Österreich für Presse-,Kultur- und Wissenschaftsangelegenheiten am Generalkonsulat in Berlin, 1992Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die RepublikÖsterreich.
Die Menschen wollen alle unsterblich sein, haben aber Probleme, mit einem verregneten Urlaubstag etwas anzufangen". (eine kluge Französin)
I.Digitale Euphorien? oder: Die Paläste der Vorstellung `Internet',`Cyberspace', `Globale Dörfer', `Datenautobahn', sind in aller Munde.
Kaumein Buch zum Thema, das nicht mit Reisemetaphern lockt (Eine kleine Auswahl:"Reisen im Internet", "Reisen im Cyberspace. Surfen im Internet fürBusiness und Privat", "Als Anhalter durchs Internet. Mit dem PC auf Inforeise","Datenreisende - Die Kultur der Computernetze", "Das Internet Dschungelbuch").Was steckt hinter diesen Verheißungen digitaler Abenteuer und Wonnen? Istdie Welt der digitalen Technologien tatsächlich eine grundlegend neue? Oder sind Menschen nicht schon immer/jahrhunderttausende virtuelle Wesen, sind Kulturen nicht schon immer (per definitionem) `künstliche', virtuelleRealitäten - in aller Vieldeutigkeit des Wortes "virtuell"? Besteht die menschliche Existenz nicht schon immer, jahrhunderttausende, wenn auch heute mehr als früher technisch gestützt (was kein Vorteil sein muß),zum Großteil im Wahrnehmen, Aufnehmen, Bilden, Ausmalen, Ausspinnen, Verändern, Weitergeben von Symbolen und Phantasien? Ist die Geschichte derKulturen, Sitten und Gebräuche, Sprachen, Religionen, Künste nicht eine Geschichte der menschlichen Vorstellungs-, Einbildungskraft, zeugt sie nicht eindrucksvoll von der menschheitsgeschichtlichen alten und ungebrochenen Macht menschlicher Phantasie? Die antiken Redner reisten durch selbstgebaute Paläste der Erinnerung (ein mnemotechnischer Trick: die einzelnen Abschnitte eines Vortrags als Räume, die Unterkapitel alsMöbelstücke, die Textteile als Gegenstände in diesen Möbeln zu imaginieren) und: ist nicht jegliches Erinnern immer (auch) Erfinden, Re-Konstruieren, das Ausmalen dürrer gespeicherter Gerüste zu prallen Bildern mittels Phantasie? Und ist nicht nur Erinnern, sondern jegliches Wahrnehmen Erfinden, Konstruieren, Treffen von Unterscheidungen, das Bilden von Gestalten (s. die Kultur Vermerke des Vorjahres)? Müssen wir also tatsächlich ein Verschwinden der Realität fürchten, wie uns frankophone Philosophen erzählen - oder leben wir Menschen nicht ohnehin schon immer in Phantasie-, in Symbolwelten? Waren wir im Gegenteil noch nie so`entzaubert', so `realistisch' wie heute?
II. Digitale Lebensstile? oder: Gefahrlose Abenteuer
Ist das Internet, das"Netz der Netze", das Paradebeispiel für die Computernetze, wirklich eineneue Erlebniswelt, ein Sammelsurium oder System elektronischer Spektakel, einneuer Lebens- und Erlebnisstil im Leistungszwang der Lebensstile? Oderbloß aufgepeppte globalisierte Bürokommunikation (auch in Bürosliegen schließlich bunte Hochglanzprospekte herum)? Schreibt dieEntwicklung computergestützter Kommunikation und Spielumgebungen (e-mail,icr, muds, moos), computergenerierter Bilder, Räume, Welten, zumindestderzeit, ein neues Kapitel der Zivilisierung, d.h. der Körperdistanzierung(Elias)?Werden wir in Zukunft nur mehr/primär virtuelle Reisen unternehmen,virtuelle Räume betreten, virtuelle Gegenstände (und Personen)anfassen? Werden wir (wieder) zu digitalen Nomaden? Werden wir zu virtuellenLuxusreisenden, oder bloß zu digitalen Pendlern (Stichwörter:Telearbeit, remote control)? Werden wir immer mehr in Fernbeziehungen im'Spagat' zugleich an mehreren Orten, 'real' und/oder 'virtuell' leben? Folgenwir damit nur dem allgemeinen Trend zur sozialen Generalisierung: wasfrüher nur wenige Adelige machten, heute viele Menschen, machen morgennoch mehr? Werden die computerproduzierten Welten bloß der digitale Trostfür die Mittleren sein - während die Unteren (v.a. die Dritte Welt)von den Computernetzen und von virtuellen Realitäten (VR) ausgeschlossensein werden, die Oberen sich weiterhin 'reale' Jugendstilvillen, Schlösseram Meer, Luxusfrauen/-männer und dazugehörige Nerzmäntel leistenwerden?
Wird der `Cyberspace' eine Welt gefahr- und müheloser Lust und Abenteuer,welche die `reale' Welt, mithin auch `reale' Urlaubsorte quälendlangweilig, enttäuschend, mühevoll werden läßt? Dieverläßliche Quelle von Aufregung, Erregung in einer wenigaufregenden, weil zivilisierten, fremd- und selbstgezwängten, vonvielfältigen Interdependenzen geprägten (Elias) und technisiertenGesellschaft? Unsere Zukunft: morgens virtuelle wissenschaftlicheMarsxpeditionen mittags zur Entspannung eine kleine virtuelle Zeitreise zurDinosaurierjagd, abends Cybersex mit elektronischen PartnerInnen vomAndromeda-Nebel? Werden wir uns mit neuen Formen von (Surrogaten von)Intimität auf Distanz begnügen - aus Angst vor Folgewirkungen'realer' (auch Liebe und Erotik basiert schließlich aufPhantasietätigkeit, daher die Gänsefüßche) Beziehungen:HIV, Konflikte, Ansprüche von PartnerInnen, Kindern? Oder ist dieAusbreitung digitaler Welten primär ein Instrument militärischer,politischer, ökonomischer, existentieller Notwendigkeiten? WeilKriegführen in Zukunft (tw. bereits in der Gegenwart) ferngesteuertstattfindet? Weil wir den ferneren Weltraum nur virtuell bereisen können,oder nur als `Geist', in einem Chip gespeichert? Weil wir angesichts derrasanten Entwicklung der Computer und Roboter in den nächstenJahrhunderten nur die Wahl haben, von ihnen überholt und degradiert zuwerden oder mit ihnen eine Symbiose einzugehen (wie Hans Moravec meint)? Werdenwir also nicht nur in simulierten Welten leben, sondern selbst Simulationenwerden, unsterbliche - wie Moravec und Tipler ("Physik der Unsterblichkeit")fest überzeugt sind? Oder könen wir uns gerade dann hemmungslos allen'realen' Abenteuerreisen und Gefahren aussetzen - denn eine digitaleSicherungskopie von uns bleibt stets zurück?
III. VR-krank oder Irrte Platon?
Allen Medienrummeln und postmodernen Euphorikern zum Trotz: Das Reisen invirtuellen, digitalen Räumen ist (noch?) nicht technisch befriedigendmachbar. Neue Studien zeigen: Die Nutzer von VR-Spielen bekommen `alleZustände', von schrecklicher Übelkeit bis stechenden Kopfschmerz,v.a. aufgrund der Widersprüche zwischen verschiedenen Sinneswahrnehmungen(z.B.: visuelle Bewegungswahrnehmung, jedoch kein Bewegungsempfinden imInnenohr) und aufgrund rechnerbedingter winzigster zeitlicherVerzögerungen. Sind wir Menschen doch (im Gegensatz zur Überzeugungvon Radikalen Konstruktivisten wie Paul Watzlawick oder Humberto Maturana) zumErkennen der 'realen' Welt, zum Enttarnen von Illusionen gebaut? Vertragen wirkeine (im Gegensatz zu Film und TV) hyperreal wirkenden 'virtuellen' Welten,keine dreidimensionalen, bewegten, ständig mit uns die Perspektivewechselnden, tönenden, riechenden Höhlenbilder?
Dr., Univ.Ass. am Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie, Leiter des Kulturinstituts an der Universität Linz, Universitätslektor am Institut für DV, Schwerpunkte: Informationswissenschaft, Wissenschaftsforschung, Kulturtheorie; zuletzt erschienen: Hg. gemeinsam mit Doz.Dr. Ingo Mörth "Das symbolische Kapital der Lebensstile. Zur Kultursoziologie der Moderne nach Pierre Bourdieu."
Schreiben Sie an: Karl.Pfeiffer@iwp.uni-linz.ac.at
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